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an(ge)dacht

Foto Werner Krueper

Eine Andacht von Pfarrer Jochen Lütgendorf
für die Woche ab Sonntag Judika (29. März)

Gedanken zum Wochenspruch aus Matthäus 20, 28:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

Liebe Gemeinde!
Eltern wollen für ihre Kinder stets das Beste. Dass aus ihnen etwas wird, sie es vielleicht einmal besser haben als man selbst. In der biblischen Szene, dem der Wochenspruch entnommen ist, meint es eine Mutter besonders gut, übertrieben gut, ja unverschämt gut. Sie wendet sich für ihre beiden Söhne mit einer geradezu kuriosen Bitte an Jesus: „Lass diese meine beiden Söhne sitzen in deinem Reich, einen zu deiner Rechten und den andern zu deiner Linken“. Ehrenplätze für alle Ewigkeit! „Ihr wisst nicht, was ihr bittet“, kommentiert Jesus dieses Ansinnen fast ungläubig und führt danach aus, dass in Gottes Reich andere Maßstäbe gelten: Dienen statt herrschen, das ist die Devise. Für Jesus selbst und alle, die ihm nachfolgen.

 Zurzeit erfahren Beschäftigte in der Pflege und im Einzelhandel ungewohnte Wertschätzung. Allenthalben wird gelobt, dass sie den Landen buchstäblich am Laufen halten. Vor der Krise waren sie oft genug die unbeachteten „Diener“ und vor allem „Dienerinnen“, miserabel bezahlt und zum Teil beschäftigt unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen. Keine Kandidatinnen für die Ehrenplätze der Gesellschaft. „Nur“ in der Pflege, „nur“ an der Kasse. „Zur Rechten und zur Linken“ des Geldes und der Macht sitzen immer schon andere. Jetzt aber, in der Krise, dämmert es uns, dass es ohne die nicht geht, die „dienen“ und ihre ganze Kraft einsetzen als Hilfe für viele. Ja, es ist gut, dass all diese Menschen endlich, wenn auch viel zu spät, öffentliche Wertschätzung erfahren. Es ist gut, wenn auch wir für sie ein freundliches Wort oder eine liebe Geste haben. Aber mindestens so wichtig ist, dass nach der Krise all das nicht wieder vergessen wird, sondern sich in Entlohnung und Arbeitsbedingungen wiederspiegelt. Nur mit warmen Worten ändert sich nichts.

Ehrenplätze, so wie Jesus sie sich vorstellt, finden sich am Krankenbett und an der Supermarktkasse.  Das dürfen wir auch „nach Corona“ niemals vergessen!

Ihr

Pfarrer Jochen Lütgendorf

 

Gebet

Guter Gott!
Dein Sohn Jesus Christus ist zum Diener der Menschen geworden und hat sein Leben aus Liebe hingegeben. Befreie auch uns zum dankbaren Dienst aneinander. Schenke uns einen Blick und ein dankbares Herz für die Menschen, die gerade in diesen Zeiten aufopferungsvoll ihren Dienst tun zum Wohl von uns allen. Amen.


Lied (EG 10, Strophe 3)

Ein Herz, das Demut liebet, bei Gott am höchsten steht;
ein Herz, das Hochmut übet, mit Angst zugrunde geht;
ein Herz, das richtig ist und folget Gottes Leiten,
das kann sich recht bereiten, zu dem kommt Jesus Christ.“ 


Andacht zum Ausdrucken

Statt Gottesdienst am 22. März 2020

Foto: ViJakob/Pixabay

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Eine Andacht von Pfarrerin Inga Bödeker

Wenn wir die Zeitung aufschlagen, dann ist sie von einem Thema bestimmt: Corona.

Mit wem man auch spricht, es geht immer um das eine Thema. Das ist einerseits verständlich, aber ich persönlich habe manchmal das dringende Bedürfnis, auch mal etwas anderes zu denken.
Unsere Andachten wollen den Blick weiten und Anstöße geben für die Passionszeit.

Jesus war ein „Horizont-Erweiterer“.

Zum Beispiel in dem Wochenspruch der kommenden Woche:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12, 24)

Jesus spricht in diesem Wochenspruch von sich selbst.
Viele Menschen haben ihn als Idol verehrt. Jesus sagt die Worte des Wochenspruchs als Griechen kamen, um Jesus zu sehen. Wahrscheinlich so, wie heute Menschen die Queen beim Staatsbesuch sehen wollen oder Greta Thunberg live und in Farbe.
Sie wollten  Jesus so sehen, wie sie ihn sehen wollten.
Jesus weiß: Bewunderung schafft nur Distanz. Wer bewundert, hält sich raus, bleibt bei sich selbst und folgt ihm nicht wirklich nach.
Jesus sagt von sich, dass er muss sterben, damit die Welt wirklich anders wird.

Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.

Wenn ich ihm nachfolge, muss sich auch bei mir grundlegend etwas verändern.
Christus bestätigt nicht einfach mein Leben. Er stellt mich grundlegend in Frage und lässt mich nicht so weitermachen wie bisher.
Wenn wir ihm wirklich nachfolgen, nicht nur nachlaufen und ihn oberflächlich wie ein Idol verehren, ohne ihn wirklich an uns heranzulassen, dann kann das termingesteuerte Leben, das krank macht, das Leben, das der Ungerechtigkeit Raum gibt, das Leben, das nur fragt: Wie werde ich glücklich? – all das kann dann getrost „absterben“ und für gering geachtet werden.
Es darf nicht nur immer um mich gehen, wenn mein Leben gelingen soll 

Das Glück, bei dem ich nur mich alleine sehe, bröckelt schnell. Jeder lebt auch von dem guten Willen und dem Beistand der Anderen. 

Was kann ich weglassen, was ist wirklich wichtig? Wo kann ich helfen? Wie kann ich Ruhe bewahren? Was gibt mir Kraft, was bringt gute Frucht, diese Frage möchte ich Ihnen zur eigenen Meditation für diese Woche mitgeben.

Amen  


Gebet

Guter Gott, du bist alles in allem,
Wir hoffen, dass du uns Kraft schenkst
Zum Aufstehen
Gegen Gleichgültigkeit,
Für die Aufmerksamkeit,
Gegen Missmut,
Für Hoffnung,
Gegen Hass,
Für die Liebe,
Gegen die Angst,
Gott, du bist alles in allem,
Wir hoffen, dass Du uns Kraft schenkst,
Zum Aufstehen-für das Leben.
Amen


Lied : Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt (EG 98)

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Die Übersetzung dieses Liedes aus dem Englischen stammt von Jürgen Henkys.


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